Dorothea Gädeke

Textarbeit in Pädagogik und Therapie der Sprech- und Sprecherstimme

Freitag, 2. November, 14h00 - 16h00

In der Ausbildung von Sprech- und Sprecherstimmen sowie in der therapeutischen Arbeit mit Sprechprofis und -laien spielt die Auswahl der Arbeitstexte eine wichtige Rolle. Texte können starke Atmosphären hervorrufen. Der richtige Text zum richtigen Zeitpunkt kann inspirieren, vielfältige komplexe Funktionen anbahnen, den inneren und äußeren Raum erweitern und die Liebe und individuelle Beziehung zum gesprochenen Wort erwecken und vertiefen. Das Erforschen von manifesten oder verdeckten klanglich/rhythmischen Aspekten in Prosa und Lyrik eröffnet die enge Verbindung von musizieren und sprechen.

Dorothea Gädeke möchte dazu anregen, Texte frühzeitig in den therapeutischen und pädagogischen Arbeitsprozess einzubeziehen. In der therapeutischen Arbeit gibt es manchmal die Tendenz, Texte als reine Laut- und Konsonantenlieferanten zu benutzen. Einige wenige, sich wiederholende Texte müssen für sämtliche Studenten/Patienten herhalten, ungeachtet deren Neigungen. Textarbeit fließt erst relativ spät in den Prozess ein, im Sinne der übernommenen Hierarchie: Atem/ Laut/ Silben/ Wort/ Satzebene. Eine frühzeitige Einbeziehung von Text fördert den Transfer in den Alltag.

Anhand einer Auswahl von historisch, stilistisch und inhaltlich unterschiedlichen Lyrik- und Prosatexten werden die TeilnehmerInnen in praktischer Arbeit deren regenerative und aktivierende Möglichkeiten erforschen. Dabei spielen die Parameter Raum, Körper, Klang, Bewegung, Atem, Intention, Ausrichtung und Kontakt in ihren Wechselwirkungen mit dem Text eine große Rolle.

Im Workshop soll die Affinität aufgegriffen werden, die Schauspieler, Sprecher, und andere Menschen in Sprech- und Sprecherberufen natürlicherweise zu Texten haben. Statt an einem Herunterfahren der Spannung zu arbeiten, soll sie im Sinne einer positiven Aktivierung genutzt werden.


Dorothea Gädeke, Schauspielausbildung an der Folkwangschule Essen und der Ecole de Theatre Jacques Lecoq in Paris; 25 Jahre lang Schauspielerin an französisch- und deutschsprachigen Theatern und in TV- und Filmproduktionen; Arbeit mit Komponisten Neuer Musik (Giorgio Battistelli, Margarete Huber) sowie in diversen Theater- und Musikprojekten; 2002 bis 2005 Ausbildung zur Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin an der Schule Schlaffhorst- Andersen; aktuell laufende Fortbildung am Lichtenberg Institut für angewandte Stimmphysiologie; gegenwärtig tätig als Stimmtherapeutin am Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM) und als Stimm- und Sprachcoach für die Schauspieler, Tänzer und Sänger der Städtischen Bühnen Freiburg, des Theaters Kabawil und framewalk.de in Düsseldorf sowie am Priesterseminar in Freiburg; kontinuierliche Arbeit als Sprecherin in Hörspielen und Features für den SWR, WDR und das Deutschlandradio sowie in Lesungen und Hörbüchern.

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