Freitag, 2. November, 11h30 - 13h00, Kammermusiksaal
Prof. Dr. Andreas Meyer
Gesungenes, gesprochenes und verschwiegenes Wort
Zur Ambivalenz der Stimme in der Musikgeschichte
Detailinformationen finden Sie in Kürze hier.
Prof. Dr. Kati Hannken-Illjes
Ich schließe mich meinem Verteidiger an –
Sprechen und Schweigen im Strafverfahren
Der Stimme des Angeklagten muss im Strafverfahren Gehör gegeben werden – auch wenn sie schweigt oder eine andere Stimme für sie spricht. Dies ist Kern eines fairen Verfahrens. Zugleich wird die Stimme des Angeklagten durch das Verfahren kontrolliert, insbesondere in Form der Verteidigerin. In wenig anderen Feldern lässt sich das „für den anderen sprechen“ so gut untersuchen wie im Strafverfahren. Hier wird geschwiegen, souffliert, im Chor gesprochen, Fürsprecher gewonnen.
Im Vortrag untersucht Kati Hannken-Illjes auf Grundlage konkreter Straffälle die Frage, wie vor Gericht für den Angeklagten gesprochen und wie geschwiegen wird. Durch die Art und Weise wie ein Angeklagter stimmlich und sprecherisch in Erscheinung tritt – metaphorisch und eigentlich – bestimmt sich seine Rolle im Verfahren. Diese Analyse von konkreten Straffällen bildet dann die Grundlage für Überlegungen zum Zusammenspiel von Stimme, Identität und Kontrolle.
Methodische Grundlage für diesen Vortrag ist eine ethnographische Feldforschung in zwei Anwaltskanzleien in den Jahren 2003 und 2004. In dieser Zeit konnte Kati Hannken-Illjes Straffälle in ihrer Karriere hin zur Hauptverhandlung durch die verschiedenen Medialitäten (Akten, Mandantenbesprechungen, Gerichtsprotokolle, etc.) verfolgen.
Kati Hannken-Illjes, geboren 1972, studierte Sprechwissenschaft und Phonetik mit Nebenfach Musikpädagogik an der Universität Halle und Speech Communication Studies an der CSU Long Beach, USA. Von 2003 bis 2007 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Emmy-Noether-Gruppe „Mikrosoziologie von Strafverfahren“ (www.law-in-action.de) im SFB „Kulturen des Performativen“ an der FU Berlin. Von 2007 bis 2011 war Kati Hannken-Illjes Akademische Rätin am Lehrstuhl für Sprechwissenschaft und Phonetik an der Universität Jena. Seit April 2011 hat sie die Professur für Sprechwissenschaft an der HfMuDK Stuttgart inne.
Kati Hannken-Illjes wurde 2002 mit einer Arbeit zur Argumentativen Kompetenz promoviert. 2010 erschien das Buch „Criminal Defense and Procedure“ (zusammen mit Thomas Scheffer und Alexander Kozin). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Juristische Argumentation, Erzähltheorie und Konzepte Kommunikativer Kompetenz.
Prof. Dr. Bernd Stegemann
Authentizität der Stimme
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