Donnerstag , 07. Juni 2018 | 20h00, Akademie für gesprochenes Wort, Haußmannstr. 22, 70188 Stuttgart (1.OG / Ungarisches Kulturinstitut)

Vortrag und Rezitation
Zur metrischen Interpretation von ›Brod und Wein‹

Vortrag und Rezitation

Mit Hanns Zischler und Prof. Dr. Reinhart Meyer-Kalkus

Der Sprechwissenschaftler Hellmut Geißner hat bereits im Jahr 1965 Hölderlin-Rezitationen auf Sprechschallplatte durch Künstler wie Rolf Henniger, Will Quadflieg, Heinz Schimmelpfennig und Mathias Wieman miteinander verglichen und dabei die Beobachtung gemacht, dass bei allen Unterschieden diese Rezitatoren doch darin übereinstimmen, dass sie allesamt eine eigentümliche Unkenntnis der metrisch-rhythmischen Strukturen der Gedichte verraten.

Allerdings sieht sich eine rhythmisch-metrisch informierte Rezitation mit exorbitanten Schwierigkeiten konfrontiert. Dies kann exemplarisch an einer metrisch regelmäßig gebildeten Elegie wie Brod und Wein (entstanden 1800/01) gezeigt werden. Diese Elegie ist bislang vollständig nur von wenigen professionellen Rezitatoren wie Mathias Wieman und Bruno Ganz für die Sprechschallplatte eingesprochen worden, darüber hinaus haben einige Hochschulgermanisten und Sprecherzieher wie Vilma Mönckeberg und Bernhard Böschenstein sich an das Gedicht oder zumindest an dessen erste Strophe (die ja 1807 erstmals unter dem Titel ›Die Nacht‹ separat publiziert worden war) herangewagt. Während die Germanisten das Metrum halbwegs respektieren, fehlen ihnen die differenzierten prosodischen Mittel, um das Gedicht in seinem Wechsel der Töne zwischen Trauer und Begeisterung, lakonischer Diktion und hymnischem Davongetragenwerden zu vergegenwärtigen, während andererseits die Schauspieler wohl solche Töne auf ihrer Klangpalette haben, dagegen aber den metrisch-rhythmischen Verhältnissen verständnislos gegenüber stehen.

Ausgangspunkt einer rhythmischen Rezitation müsste dagegen die schon von Norbert von Hellingrath begründete Einsicht sein, dass im Text wesentliche, wenn auch keineswegs alle Parameter wie in einer musikalischen Partitur fixiert sind. Wie oft in der Aufführungsgeschichte von musikalischen Werken kann eine neue Vortrags-Interpretation durch das Ernst- und Wörtlichnehmen von Anweisungen des Texts bzw. der Partitur auf den Weg gebracht wird.

Eine solche rhythmische Rezitation hat der Berliner Schauspieler, Rezitator und Schriftsteller Hanns Zischler mit dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Reinhart Meyer-Kalkus einstudiert. Sie soll – vor dem Hintergrund älterer Tonbeispiele – an diesem Abend vorgestellt werden.

Diese Veranstaltung ist Teil der Hölderlin-Tage vom 3. bis 10. Juni 2018.

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